Ulrike Kessl zeigt Diaserien aus Japan und Deutschland der 50er Jahre. Im Kontrast dazu stehen Bilder aus dem menschlichen Körperinneren, per Computertomografie erzeugte Horizontalschnitte. Wären da nicht diese wissenschaftlichen Bilder, die der Künstlerin schon seit Jahren als Ausgangsmaterial ihre Arbeiten dienen, könnte man vermuten, dass es sich um die Präsentation von Urlaubsdias handelt, allerdings läge der Urlaub schon sehr lange zurück, eine vorgeburtliche Reise sozusagen. Fremde Erinnerungen haben immer etwas merkwürdiges, zumal wenn ihnen der Autor fehlt. Es werden Geschichten erzählt, die man nur teilweise versteht. Die Bilder sind unfreiwillig rührend oder lächerlich, klischeehaft oder trist. Die Geschichten, die beim Betrachten dieser Bilder im Kopf entstehen, bezeichnet Ulrike Kessl als offene Fiktionen. Sie sind nicht abgeschlossen, wie ein Spielfilm oder ein Roman, sie haben keine eindeutige Form, sind weder künstlerisch noch banal. Sie sind wie ein Steinbruch, immer wieder anders, unfertig, liefern Ideen für eigene Bilder. Sie reizen zum Nachdenken, zum Beispiel über die Geschichte des eigenen oder des fremden Landes.

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